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"Die Bärin und der Göttersohn"


Ein Mythos von der Geburt des ersten Königs Tangun

"In alter Zeit dachte der Göttersohn Hwangung daran, die Menschen
zu erlösen. Als sein Vater hiervon hörte, schickte er seinen Sohn mit
drei himmlischen Abzeichen auf den Gipfel des Taebaek-Berges.
Zu dieser Zeit lebten in einer Höhle ein Tiger und eine Bärin, deren
sehnlichster Wunsch es war, Menschengestalt anzunehmen. Deshalb
beteten sie unaufhörlich zu Hwangung, der ihnen schließlich einen
übergroßen Beifuß und ein Gebinde aus Knoblauch mit dem Versprechen
gab, wenn sie dies äßen und für einhundert Tage das Sonnenlicht
mieden, so würden sie Menschengestalt annehmen.
Nur die Bärin konnte jedoch so lange dem Sonnenlicht fernbleiben und
nahm, wie prophezeit, die Gestalt einer Frau an. Da ihr nun ein
Lebenspartner fehlte, sie sich aber nichts sehnlicher als ein Kind
wünschte, betete sie erneut zu Hwangung, der sich ihrem Flehen nicht
verschließen konnte und sie zur Frau nahm. Bald darauf schenkte sie
ihm einen Sohn, den sie Tangun nannten. Später gründete Tangun
seine Hauptstadt in Pyongyang und nannte das Land, über das er herrschte,
Choson."

Dieser Mythos über die Gründung Koreas findet sich im koreanischen
Geschichtswerk "Samgukyusa" aus dem 13. Jahrhundert n. Chr. Es ist
eine von vielen Varianten über den göttlichen Helden und Staatsgründer.

Der Halbgott Tangun ist nach der alten religiösen Taejonggyo-Überlieferung
der Sohn des Gottes Hanul. Mit der Einführung des Buddhismus und später
des Konfuzianismus in Korea verschwand diese Religion im 15. Jahrhundert.
Bis heute beginnt der koreanische Kalender mit der Zeitrechnung
im Jahre 2333 v. Chr. - dem mythologischen Geburtsjahr Tanguns und damit
legendären Gründungsdatum Koreas.